-
Leseprobe GartenTour / Rubrik: Rhododendron: Traum aus Farbe und Form

Der Tiger im Rhododendron-gebüsch

Von Catherina Ruffing
Gräfin Bernadotte af Wisborg

Ich erinnere mich an ein Buch, es spielt wohl zu Zeiten Napoleon Bonapartes, in dem folgende Szene stattfindet: Ein weit gereister Abenteurer steht in einem manikürten englischen Garten und sagt scherzhaft zu seinem Gegenüber: „Und dort im Rhododendrongebüsch lauert ein Tiger.“ Ich werde so um die zehn Jahre alt gewesen sein, als ich dieses Buch las, und wie hat dieser eine Satz meine Fantasie beflügelt!

Der Rhododendronhang auf der Insel Mainau war schon vorher einer meiner Lieblingsplätze gewesen. Die dichten Laubkronen schützten vor den Blicken der Vorbeigehenden, während die malerisch gewachsenen Äste unter diesem
Dach ein Gerüst bildeten, aus dem sich beinahe alles machen ließ. Je nach Bedarf war es Labyrinth, Palast, Urwald oder was die Fantasie sonst gerade verlangte. Und nun sollte auch noch ein Tiger darin umherstreifen. Was für ein herrlicher Gedanke, wenn auch vielleicht ein bisschen furchteinflößend.
Ich erinnere mich noch an ein anderes Spiel, mit dem ich mir gerne die Zeit vertrieb, man könnte es vielleicht „Sorten-Geschichten“ nennen. Die Sortennamen der Rhododendren, es funktionierte aber auch vorzüglich zum Beispiel mit Rosen- oder mit Dahliensorten, kamen mir oft sehr ulkig vor und forderten geradezu dazu auf, mit ihnen Geschichten zu erzählen. Ich schickte also in Gedanken das „Rumpelstilzchen“ mit dem „Goldprinz“ auf die Reise, um gemeinsam das „Frühlingsgold“ zu finden, das die „Blauen Jungs“ hinter dem „Nordlicht“ versteckt hatten.

Kapriziöse Schönheiten
Mit der Zeit wurde der Rhododendron dann vom kindlichen Spielplatz zum Objekt der Wissbegierde. So lernte ich beispielsweise von unseren Gärtnern, dass die Insel Mainau mit ihrem kalkhaltigen Boden eigentlich nicht für Rhododendren geeignet ist, und stolperte erstmals über den Begriff der „Kalkchlorose“. Diese Mangelerscheinung äußert sich in gelb verfärbten Blättern und entsteht meist durch einen zu hohen pH-Wert des Bodens. Dieser verhindert, dass das im Boden enthaltene Eisen in eine pflanzenverfügbare Form umgewandelt wird. Dass tatsächlich zu wenig Eisen im Boden ist, kommt eher selten vor. Am einfachsten lassen sich Kalkchlorosen natürlich vermeiden, indem man Rhododendren nicht auf kalkhaltige Böden pflanzt. Mit etwas Arbeit lassen sich aber auch dort gute Bedingungen schaffen, etwa durch das Beimischen von Torf, den Einsatz von spezieller Rhododendron-Pflanzerde oder das Anlegen eines Hügelbeetes. Wichtig ist in jedem Fall eine gute Drainage, damit der Boden gut durchlüftet
ist, da ein hoher Gehalt an Kohlendioxid die Verfügbarkeit der Nährstoffe ebenfalls negativ beeinflusst.
Rhododendren sind also in der Standortwahl etwas, sagen wir mal, kapriziös. Und auch die Partnerwahl will wohl überlegt sein. Rhododendren mögen es hell, vertragen direktes Sonnenlicht aber nur in milden, luftfeuchten Regionen mit ausreichend feuchten Böden. Auch haben sie einen hohen Nährstoffbedarf, den sie sich nur ungern durch ihre Nachbarn streitig machen lassen. Sie brauchen also Bäume mit lichter Krone, die sie einerseits vor der prallen Sonne schützen, aber andererseits genug Licht hindurchlassen. Außerdem sollten die Bäume möglichst Tiefwurzler sein, um den Rhododendren keine Konkurrenz zu machen. Ob Laub- oder Nadelbaum ist eher zweitranging, obwohl Nadelbäume einen entscheidenden Vorteil haben, da durch ihre Nadelstreu der pH-Wert des Bodens gesenkt wird. Die immergrünen Kronen von Kiefern (Pinus) und Zedern (Cedrus) bieten zudem auch im Winter Schutz vor der Sonne. Weitere gute Pflanzpartner sind zum Beispiel Lärchen (Larix), Esskastanien (Castanea sativa), Stiel- und Trauben-Eiche (Quercus robur, Quercus petraea) oder der Rote Schlangenhaut-Ahorn (Acer capillipes).
Haben Sie also keine Angst, diese anspruchsvollen Schönheiten im eigenen Garten zu pflanzen – mit der richtigen Vorbereitung und Pflege werden Sie viel Freude an ihnen haben.

Catherina Ruffing
Gräfin Bernadotte af Wisborg

Zur Person:
Seit frühester Kindheit dreht sich das Leben von Gräfin Catherina um Gärten, Parks und Blumen. Aufgewachsen ist die studierte Landschaftsarchitektin auf der elterlichen Insel Mainau im Bodensee. Sie ist Initiatorin des freien Fachportals www.hortipedia.com, das Gartenwissen aus den verschiedensten Bereichen bietet. Ein besonderes Feature stellt die Pflanzendatenbank dar.

Foto:
Rhododendronhain im Berggarten der Herrenhäuser Gärten in Hannover
Foto: Nik Barlo jr.

Gewinnspiele

Mitmachen und tolle Preise gewinnen!

Veranstaltungen

Treffpunkte für Gartenliebhaber

News

GartenTour aktuell auf Facebook

© 2010-2013 Labhard Verlag Konstanz/Bodensee | Design: SMD | Kontakt | Impressum | Sitemap
Verlagsthemen: Bodensee | Oberschwaben | Sachsen | Wirtschaft | Garten