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Leseprobe GartenTour / Rubrik: Bayern

Zwischen Goldenen Äpfeln und Ruinen

Die grüne Gartenwelt der Wilhelmine

Die oberfränkische Kulturstadt Bayreuth richtet 2016 die bayerische Landesgartenschau aus. Vom 22. April bis zum 9. Oktober wandeln die Besucher unter dem Motto „Musik für die Augen“ durch die neu entstandene Wilhelminenaue. Mit einem umfangreichen Programm beteiligt sich auch die Bayerische Schlösserverwaltung am botanischen Reigen: Vorträge, Führungen und die Ausstellung „Zwischen Goldenen Äpfeln und Ruinen – 300 Jahre Gartengeschichte Eremitage“ laden dazu ein, in die Welt historischer Gärten einzutauchen. Das Landesgartenschau-Ticket berechtigt zudem einmalig zum kostenfreien Eintritt in das Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie in der wenige Kilometer entfernten Gemeinde Eckersdorf.

Romantischer Rückzugsort
Die Ausstellung im Neuen Schloss Eremitage spannt den Bogen von der reichen Historie des Hofgartens zur faszinierenden Orangeriekultur der Bayreuther Markgrafen. Zu sehen ist die eintrittsfreie Sonderschau ab dem 25. Mai bis zum 16. Oktober 2016.
Gegründet wurde die Eremitage, die „Einsiedelei“, 1664 als Tier- und Jagdgarten und diente nicht einsamen Mönchen, sondern den Markgrafen als Rückzugsort. Hier konnte die Hofgesellschaft dem strengen Zeremoniell entkommen und das einfache Leben nachspielen.
Bedeutende Elemente erhielt die Gartenanlage unter Markgräfin Wilhelmine, die sie ab 1735 zu einem Rokoko-Juwel umgestaltete. Wasserspiele wie die Untere Grotte oder das Große Bassin gehörten ebenso dazu wie ein Irrgarten, ein romantisches Landgut und künstliche Ruinen. Teils exotische Pflanzen, schattige Laubengänge, raffinierte Architekturen und eine ausgefeilte Technik formten ein Gartenkunstwerk ersten Ranges. Spätere Fürsten wie Markgraf Alexander, der dem Hofgarten ein „natürlicheres“ Aussehen gab, hinterließen ebenfalls ihre Spuren in der Eremitage.
Die Sonderausstellung vergisst auch nicht die auf dem Gelände tätigen Gartenmeister wie den Hofgärtner Abraham Knöller (1707–1763). Dieser kultivierte mit großem Geschick Pomeranzen und andere wertvolle Gehölze, die für die Fürstengärten des 18. Jahrhunderts von größter Bedeutung waren. Kaum vorstellbar erscheint es heute, mit welchem Kraftakt die empfindlichen Zitruspflanzen aus Italien über die Alpen transportiert und wie aufwändig die symbolträchtigen „Goldenen Äpfel“ gepflegt wurden. Aktuell wird daher wieder ein Bestand an Pomeranzen in der Eremitage aufgebaut. Auch die Pflanzkästen wurden nach alten Vorlagen neu gestaltet und sind erstmals im Rahmen der Ausstellung vor dem Neuen Schloss zu sehen.

INFO
Eremitage
Eremitage 4, 95448 Bayreuth
Tel. +49 921 759690
www.bayreuth-wilhelmine.de

Öffnungszeiten Eremitage
April–September: täglich 9–18 Uhr
1.–15.10.: täglich 10–16 Uhr
16.10.–März: geschlossen
Der Hofgarten Bayreuth ist ganzjährig täglich geöffnet.


Foto: Bayerische Schlösserverwaltung/Thomas Köhler, Bayreuth

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