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Leseprobe GartenTour / Rubrik: Nordrhein-Westfalen

Hecken hoch wie Häuser

Imposante Markenzeichen der Nordeifel

Das Monschauer Heckenland hält nicht nur, was sein Name verspricht. Es bietet dem staunenden Besucher auch eine Szenerie, die in Europa einzigartig ist.

Denkt man an die Eifel, so fallen einem spontan erloschene Vulkane ein, Kraterseen und Wanderwege, aber auch Burgen und Klöster, ja wahrscheinlich sogar Krimis. Weitaus weniger präsent ist einem das raue Klima der Region, insbesondere in der Nordeifel, wo sich der Deutsch-Belgische Naturpark Hohes Venn-Eifel auf 2.700 Quadratkilometern in wilder Schönheit präsentiert. Dort, mehr als 500 Meter über dem Meeresspiegel, tosen Winde
über die baumlosen Hochflächen. So stark und so häufig, dass der moderne Mensch sich den Umstand zunutze gemacht und Windkraftanlagen errichtet hat.

Vom Windschutz zum Markenzeichen
In früheren Zeiten beschränkte sich der Umgang der Bewohner mit dem Wind darauf, sich vor ihm zu schützen. Und das taten sie auf einfache wie geniale Weise: Sie pflanzten Rotbuchen in Reihe und schufen daraus Hecken, mannshoch auf den Feldern und haushoch – im wahrsten Sinne des Wortes – in den Dörfern. Seit Ende des 17. Jahrhunderts pflanzte man so viele Hecken, dass sie heute das Landschaftsbild prägen. Mehr noch: Sie sind zum Markenzeichen eines Gebietes geworden, das als „Monschauer Heckenland“ bekannt ist. Auf dem Hochplateau rund um das historische Tuchmacherstädtchen Monschau, das selbst im Tal und somit geschützt liegt, befinden sich über 900 Hausschutzhecken und mehrere hundert Kilometer Flurhecken. Besonders gut zu bewundern sind sie in den Ortschaften Höfen, Kaltherberg, Mützenich und Eicherscheid.
„Die Hausschutzhecken sind meist sechs bis acht, manchmal sogar zehn Meter hoch und je nach Haus und Grundstück teils 30 bis 40 Meter lang“, erklärt Christoph Dosquet, Heckenwanderführer im Örtchen Höfen. Die Breite der Rotbuchenhecken reicht dabei von 70 Zentimetern bis zu einem Meter. Die Rotbuche ist als einheimische Baumart recht anspruchslos, was den Boden anbelangt, und optimal angepasst an das schroffe Klima der Nordeifel. Ihr Name leitet sich von der rötlichen Färbung des Holzes ab, nicht von den Blättern. Diese verwandeln sich vielmehr von Hellgrün im Frühling zu sattem Dunkelgrün im Sommer, um dann im Herbst mit prachtvollem Farbspiel in Rot-Braun-Gelb zu brillieren. Da die Rotbuche ihr verdorrtes Laub bis ins Frühjahr hinein behält, wo sich parallel zur Blüte auch das zarte neue Laub entwickelt, bieten die Hecken nicht nur das ganze Jahr
über einen ästhetischen Anblick, sondern auch durchgängigen Schutz: Sie halten den Wind ab, dämmen Geräusche und bilden eine Barriere gegen Schmutz und Staub.

Ausgefeilte Technik
„Damit sich aus den Rotbuchen eine dichte Hecke entwickelt“, erklärt Christoph Dosquet, „werden die Pflanzen von klein auf bearbeitet. Das heißt, ihre Äste werden gebogen und durchflochten und schmale Zweige werden hinter dickere geklemmt.“ Dann deutet der Heckenwanderführer in eine unlängst kräftig geschnittene Hecke. Durch das lichte Laub wird im Gegenlicht der Sonne für einen Moment das Geheimnis der Standhaftigkeit sichtbar: Im Innern der Rotbuchen verbergen sich lange Holzstangen. Normalerweise ist dieses Gestänge gut verhüllt, merklich ist es im Grunde nur an der Standfestigkeit, mit der die Hecken seit Jahr und Tag dem Wind trotzen.
Zusätzlich schützte man die Häuser vor der Witterung, indem man tief gezogene, teils bodennahe Dächer an der Wetterseite errichtete, vor die man dann noch die Hecken setzte. Oft findet sich auch die sogenannte Winkelbauweise, bei der zwei Gebäudeteile im rechten Winkel zueinander stehen. Mithilfe der Hecken und der ausgeklügelten Bautechnik wurden Eingänge und Einfahrten vor Wind und Wetter bewahrt und die Wärme optimal im
Haus gehalten.
In Höfen gibt es etliche dieser Häuser zu sehen und besonders schöne Beispiele für imposante Hecken. Dabei wurde der Ort im Zweiten Weltkrieg zu 77 Prozent zerstört, wie Christoph Dosquet zu berichten weiß. Man kann es kaum glauben, wenn man durch die idyllischen Gassen streift, denn in liebevoller Kleinarbeit wurden die beschädigten Häuser und Hecken originalgetreu restauriert. Damit Besucher sich ein möglichst umfangreiches Bild von den erhaltenswerten Schmuckstücken machen können, wurde 2004 der Höfener Heckenweg angelegt. (Auszug)

Silke Mayer
(Text und Foto)

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