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Leseprobe Rubrik: Editorial

Neue Wege gehen

Nicht immer ist die Schönheit der Natur offensichtlich, manchmal muss man auch ungewohnte Wege gehen, um sie zu entdecken. Ein Ort, um sich davon zu überzeugen, ist die Völklinger Hütte. Diese Eisenhütte, deren Anfänge in das späte 19. Jahrhundert zurückgehen, wurde 1986 stillgelegt und ist seit 1994 Weltkulturerbe der UNESCO.

Damit steht sie auf einer Stufe mit der Chinesischen Mauer, den Pyramiden von Gizeh, der Freiheitsstatue und weiteren knapp 900 Denkmälern in fast allen Ländern der Erde. Was hat dies aber nun mit einem Garten zu tun?

Im Jahr 2009 wurde das Gelände der stillgelegten Kokerei im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, das über 20 Jahre sich selbst und der Natur überlassen war, für den Besucherverkehr geöffnet. Der vollmundige Name des neuen Areals: Paradies. Nun mag man darüber streiten, ob dieser Begriff im Zusammenhang mit Stahl und Beton gerechtfertigt ist. Wenn man sich aber genauer damit beschäftigt, wird der Zusammenhang schnell klar. Als die Hütte noch in Betrieb war, war die Arbeit in der Kokerei von wahrhaft «höllischen» Arbeitsbedingungen geprägt: Feuer, Rauch, Hitze und Schmutz. Seit der Stilllegung hat die Natur das Regiment übernommen und das über drei Hektar große Gelände Stück für Stück zurückerobert. Goldrute, Schmetterlingsstrauch, Birke und viele andere geben sich ein Stelldichein und schaffen Lebensräume für Schmetterlinge, Eidechsen und Frösche. Ja, sogar Eisvogel und Turmfalke fühlen sich zwischen den ehemaligen Koksbatterien wohl. Es ist also sicher nicht zu hoch gegriffen, von paradiesischen Zuständen zu sprechen.

Die große Herausforderung ist es nun natürlich, diesen wilden Naturgarten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dem Besucher die einzigartige, oft spröde Schönheit und die ökologischen Zusammenhänge zu vermitteln, ohne dabei das gewachsene Gefüge zu zerstören. Die natürliche Sukzession, durch die Pflanzen und Tiere Dächer, Schutthaufen und alte Teerbecken in Besitz genommen haben, soll erlebbar und begreifbar werden. Dafür soll sie einerseits in ihrer Entwicklung nicht gestört werden, doch ist es andererseits auch notwendig, an der einen oder anderen Stelle regulierend einzugreifen. So lassen sich die verschiedenen Stadien der Sukzession darstellen und durch behutsame Pflege erhalten. Der Besucher erhält einen Eindruck davon, wie sich die Natur erst zaghaft und dann mit immer größerem Nachdruck auf einer brachliegenden Industriefläche ausbreitet. Vorrang bei allen Überlegungen hat selbstverständlich immer die Sicherheit der Öffentlichkeit, denn die Zeit hat nicht nur wundervolle Oasen entstehen lassen, sondern auch tüchtig an der Substanz der Gebäude genagt. Dezente Geländer leiten den Besucher durch die Kokerei, wobei sie durch ihre moderne Formensprache optisch in den Hintergrund treten und das Gesamtbild des alten Industriegeländes möglichst wenig verfälschen.
Auf diese Weise wurde ein Ort geschaffen, der auf wunderbare Weise zwei Gegensätze verbindet: Industrie und Natur. Die gewaltigen Kohletürme und Koksbatterien, Schornsteine und Gleisanlagen sind für sich genommen bereits beeindruckend, zeugen sie doch auch heute noch von Erfindergeist und Betriebsamkeit. Doch was einen wirklich in den Bann zu ziehen vermag, ist die unbändige Kraft und gleichzeitig stoische Ruhe, mit der die Natur ans Werk gegangen ist und diese von Menschenhand geschaffene Industrieanlage in ein Kunstwerk der ganz besonderen Art verwandelt hat.

Von August bis Oktober verzaubert die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) das Gelände in ein gelbes Blütenmeer, im Juni gesellt sich der Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) mit seinen violetten Rispen dazu. Daneben bringen sich auch wilde Astern und Acker-Senf (Sinapis arvensis) in den Blütenreigen ein, hier und da findet man sogar Glockenblumen (Campanula). Im Herbst schließlich strahlt das gelbe Laub der Hänge- Birke (Betula pendula) auf den Dächern, begleitet von den orangefarbenen Blättern der Zitter-Pappel (Populus tremula). Waldrebe (Clematis vitalba) und Brombeeren (Rubus fruticosus) wollen da natürlich nicht zurückstehen und bewachsen Mauerkronen und Gräben, die sie im Sommer mit ihren weißen Blüten bedecken. In den tiefer gelegenen Gleis anlagen und um die alten Teer- und Klärbecken herum haben sich Farne und andere schatten- und feuchtigkeitsliebende Pflanzen angesiedelt und in den Becken selbst schwimmen Wasserlinse (Lemna minor) und Laichkraut (Potamogeton crispus). So kann ein Rundgang durch das «Paradies» leicht zu einer botanischen Exkursion werden, man muss nur die Augen offenhalten.
Das Wechselspiel von Stahl und Beton mit zartem Grün und bunten Blüten birgt eine besondere Spannung in sich, die zum Entdecken aber auch zum Nachdenken anregt. Lassen Sie sich also ruhig mal auf eine etwas andere Art der Ästhetik ein und finden Sie Schönheit dort, wo man sie eigentlich kaum vermutet.

Catherina Ruffing Gräfin Bernadotte af Wisborg

Leseprobe Rubrik: Baden-Württemberg

Schlosspark Favorite

Ein Kleinod fürstlicher Gartenlust: Das ist der Park, der das Porzellanschloss Favorite bei Rastatt umgibt. Vor genau 300 Jahren begann die eigenwillige Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden mit dem Bau ihres Lustschlosses und es wurde das kostbare Gehäuse ihrer Sammlungen.

Es wurde das kostbare Gehäuse ihrer Sammlungen – und die haben sich bis heute dort erhalten. Ebenfalls nach den Vorstellungen der Markgräfin entstand um das Schlösschen herum ein barocker Lustgarten im französischen Stil, der, ganz früh schon, um 1800 zum englischen Landschaftsgarten umgewandelt wurde.

Der barocke Grundgedanke prägt heute noch in den Grundzügen den Schlosspark. Großzügige Wegachsen überspannen die Parkanlage und vermitteln einen Eindruck vonräumlicher Unendlichkeit. Maßgebend für den Entwurf des Lustgartens wie auch des Schlosses war der Hofarchitekt Michael Ludwig Rohrer (1683–1732). Markgräfin Sibylla Augusta hatte ihn aus Böhmen, ihrer Heimat, mitgebracht. Schwierig: Die sumpfigen Bodenverhältnisse in dem Wald und Wiesengelände in der Rheinebene machten die Gartenanlage nicht leicht. Durch ein System von Entwässerungsgräben und befestigten Wegen versuchte man, die Probleme zu lösen.

Obwohl das Lustschloss schon 1710 begonnen wurde, dauerte es dann bis 1721, bis die erste große Gartenfläche, das Parterre, vor der Gartenfassade des Schlosses und vor der Freitreppe angelegt war. Bestimmend war eine Hauptachse, die in der «Hochfürstlichen Faverithallee» ihre Fortsetzung außerhalb des Gartens fand. Ein zweites Gartenparterre entstand 1725 auf der Hauptseite des Schlosses:
Und das ist heute noch erhalten. Hier kann man noch einen guten Eindruck von der barocken Anlage bekommen: Die beiden flankierenden Lindenalleen sind streng geschnitten, ganz typisch für barocke Gärten. Hinter den Linden öffnen Orangerien ihre eleganten Gebäudeflügel – luftige Bauten, in denen die wertvollen exotischen Kübelpflanzen, Lieblingsstücke der fürstlichen Gartenbesitzer, in den kalten Monaten aufbewahrt wurden.

1727 übergab die Markgräfin die Herrschaft an den ältesten Sohn und zog nach Ettlingen; mit ihrer Übersiedelung begann der Verfall des Barockgartens. Markgraf Karl Friedrich (1728–1811) beauftragte schließlich 1788 seinen Hofgärtner Johann Michael Schweyckert mit der «Bepflanzung des Gartens nach Englischer Art». Alleen wurden durchbrochen, um den Blick in die umgebende Landschaft zu weiten. Blickachsen wurden bewusst mit eindrucksvollen Solitärbäumen gerahmt. Alte Eichen und Buchen und ebenso alte «Exoten» sieht man heute auf dem Weg durch den Schlosspark – und jeder dieser Bäume erzählt von der Geschichte der Favorite.

Den Schlossgarten erleben

In der kleinen Gartendokumentation, untergebracht in der Orangerie, ist ein Modell des Schlossgartens zu sehen. Hier wird die Entwicklung des Schlossgartens vom barocken Garten zum Landschaftsgarten nachvollziehbar dargestellt.
Ab Mai bietet sich ein ganz neuer «Phoneguide» den Besucherinnen und Besuchern als angenehme Begleitung an: Beim Spaziergang rund um das Schloss und durch den beeindruckenden Landschaftsgarten kann man ganz einfach so viel an Hintergrundwissen abrufen, wie man möchte. Klänge und Stimmen des 18. Jahrhunderts laden ein, in die Zeit der Sibylla Augusta einzutauchen. Dazu gibt es sachkundige und knappe Informationen, anschaulich erzählt.
Ein neuer dendrologischer Rundgang – also ein Baumlehrpfad – führt ebenfalls ab Mai durch den Schlossgarten von Favorite. Die Besucher können dann exotische Bäume wie die Schirm-Magnolie (Magnolia tripetala) oder den Amberbaum (Liquidambar styraciflua) ebenso wie einheimische Baumarten besichtigen. Insgesamt 49 Bäume sind mit botanischen Schildern versehen, die über Namen und Herkunft der Bäume informieren. Bei der Gestaltung der Schilder konnte man sich an alten, wieder aufgefundenen Emailschildern aus dem Schlossgarten orientieren und damit an die lokale Tradition der Pflanzensammlung anknüpfen.

2010 wird in Schloss und Schlossgarten das 300. Jubiläum der Favorite gefeiert – mit vielfältigem Programm. Beispielsweise gibt es am Wochenende des 24. und 25. April ein Programm für die ganze Familie. Vom 7. bis zum 9. Mai findet eine Kunsthandwerks- und Gartenmesse im Garten von Schloss Favorite statt und am 7. und 8. August ein großes Barockfest rund um das Porzellanschloss der Markgräfin.

Leseprobe Rubrik: Sachsen-Anhalt

Kostbarkeit mit Attraktionen

Der Elbauenpark, Magdeburgs jüngster und modernster Park, befindet sich östlich der Elbe. Sein Entstehen verdankt das 90 Hektar große Areal der Bundesgartenschau (BuGA) 1999.

Seit weit über 100 Jahren hatte im heutigen Elbauenpark zumeist das Militär das Sagen. Zwei Kerngebiete der Gartenschau mit unterschiedlicher Prägung durch die Nutzungen in der Vergangenheit wurden von den Planern der BUGA in ihrem eigenwilligen Kontrast respektiert.

Gelungener Landschaftsmix

Den östlichen Teil des Großen Cracauer Angers prägen alte, in den 1930er Jahren errichtete Schießwälle. Architekten, Bauarbeiter und Gärtner haben sie für eine friedliche Nutzung umgestaltet. Die rund 400 Meter langen und zwischen zwei und vier Meter hohen Hügel zeigen sich in kraftvoller Üppigkeit. Die Kastanien und Robinien auf ihnen behaupteten ihren Standort in wechselnder Geschichte. Dieses Labyrinth hat sich zum Spiel- und Sportparadies gemausert. Der Mix aus natürlicher und künstlich geschaffener Landschaft wurde zu einem reizvollen Ensemble. Im Rhododendrenhain, neben dem Staudengarten unter knorrigen Bäumen, blühen im Mai und Juni 1.000 prächtige Rhododendron- Sträucher und Azaleen in allen Farbnuancen.
Die wechselvolle Geschichte des Kleinen Cracauer Angers fand ihren Niederschlag beispielsweise in den elf Themengärten oder in der Wegegestaltung. Die alten Streuobstwiesen wurden erhalten und geben den Bienenvölkern bis heute eine Heimat.

Exotik trifft Wissenschaft

Heute stellt der Elbauenpark unter den 21 Magdeburger Parkanlagen eine Kostbarkeit hinsichtlich Gartenkultur und landschaftsarchitektonischer Gestaltung dar. Einige ausgewählte Attraktionen bereichern das Angebot, so der Jahrtausendturm mit seiner außergewöhnlichen Ausstellung über 6.000 Jahre Wissenschafts- und Technikgeschichte der Menschheit oder das exotische Schmetterlingshaus. Eingebettet zwischen 100 Jahre alten Bäumen und Wällen kann man auf rund 300 Quadratmetern in dem gläsernen Pavillon bei tropischem Klima bis zu 200 Falter in etwa 20 Arten aus Mittel- und Südamerika, Afrika und Südostasien entdecken. Spielhaus, Panorama- und Sommerrodelbahn, Kletterfelsen, Irrgarten, Sportanlagen und das Bienenhaus tragen bedeutend zur Steigerung der Attraktivität des Parks bei. Sie sind inzwischen fester Bestandteil des Angebotes an die Besucher und sprechen mit ihrer Vielschichtigkeit unterschiedliche Zielgruppen an.
Der Elbauenpark an den Ufern der Alten Elbe besticht aber nicht nur durch seine Gartenarchitektur und Gartenkunst, sondern auch durch seine vielfältigen Freizeit- und Aktivangebote für alle Altersgruppen. Zahlreiche nationale und internationale Musik-, Kultur- und Showevents finden im Sommer auf der überdachten, von Wasser umgebenen Seebühne statt. Grandiose Events wie Familienfeste, Licht-, Feuer-, oder Musikspektakel und die «BallonMagie» begeistern Jahr für Jahr tausende Besucher mit überregionale Reichweite.

Leseprobe Rubrik: Themen

Faszination Wassergärten

Wasser übte schon immer einen besonderen Reiz auf die Menschen aus. Ob als Wasserfall, künstlicher See oder Teich, Bachlauf, Springbrunnen oder kunstvolle Kaskade, bereichert Wasser seit jeher unsere Gärten.

Wenn man an Wassergärten denkt, kommen einem zuerst Monets Gemälde «Wassergarten in Giverny», Versailles und andere großartige Gärten in den Sinn, die ohne ihre künstlichen Wasserspiele, Springbrunnen und Teiche undenkbar wären. Wasser macht einen wesentlichen Teil ihres Zaubers aus. Andere Gärten beziehen natürliche Seen, Flüsse und Wasserfälle sowie Felsen mit Ausblicken auf Inseln im Meer oder Seen in die Gestaltung mit ein.
In jeder Stilepoche der Gartengeschichte wurde mit Wasser als Gestaltungselement experimentiert, von den kühlenden Rinnen der persischen Paradiesgärten bis zu den weiten Landschaftsgärten. Wasser bestimmt den Charakter der formalen Gärten der Renaissance, der Naturgärten in Schottland, denen viktorianische Gärtner mit Rhododendren das Aussehen von Himalayaschluchten gaben. In japanischen Gärten wird das fließende Wasser durch trockene Bachbetten und Kaskaden nur angedeutet, in anderen Gärten stürzen wiederum mächtige Wasserfälle bergab, natürlich oder künstlich angelegt. Die Gestaltung von Wassergärten brachte auch eine ganz eigene Architektur mit sich: Bootshäuser, Pavillons und Brücken, mit Muscheln verzierte Höhlen und Grotten.

Schon bei den alten Wüstenkulturen – Ägypter, Sumerer und Assyrer – stand das Wasser hoch im Kurs, denn es war
selten und kostbar. In Assyrien, im 7. Jahrhundert v. Chr., floss das Wasser aus einem Sumpfgebiet über ein Aquädukt in den Garten von Sanherib in Ninive. Nebukadnezar II., einer seiner Nachfolger, schuf die Hängenden Gärten der Semiramis, eines der sieben Weltwunder. Vermutlich wurde das Wasser mit einer Schraube aus dem Euphrat in die Höhe transportiert.
Ein typischer persischer Garten wurde durch zwei gerade Wasserrinnen in vier Quadranten geteilt. Dieser Stil wurde von der ganzen arabischen Welt übernommen; er taucht in den maurischen Gärten Spaniens auf und breitete sich nach Osten bis in die Mogul-Gärten Indiens aus. Auch die Gärten des Römischen Reiches waren von dieser strengen Formalität beeinflusst; Kanäle und Rinnen trennten formal gestaltete Beete voneinander ab, und rund um die Innenhöfe verliefen schattige Säulengänge.
Die Klostergründungen des Mittelalters griffen auf die Erfahrungen mit römischen Gartenkonzepten zurück. Ihre Kreuzgänge waren schattige Säulengänge mit herrlich verzierten Säulen um einen Garten mit zentral gelegenem Brunnen.

Ganz im Unterschied dazu spielte die Natur in den Wassergärten Chinas und Japans eine maßgebliche Rolle. Dank der ausreichenden Wasserversorgung durch Regen und Flüsse gingen chinesische Gartenkünstler entsprechend großzügig mit dem Wasser um. Die japanischen Gärten sind zwar durch den Naturalismus Chinas inspiriert, allerdings in deutlich kleinerem Maßstab. Für das naturalistisch schöne Aussehen der kleinen Seen und Teiche sorgte eine sorgfältige Bepflanzung. Pittoreske Inselchen und winzige Kaskaden erhoben den Wassergarten zur Kunstform. Ähnlich wie in China hatte das Wasser auch eine spirituelle Bedeutung: Es war in realer oder metaphorischer Form eines der Schlüsselelemente jeden Gartens.

Auch in den islamischen und europäischen Ländern wurde die Schwerkraft genutzt, um Wasser zu bewegen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel aus der Renaissance ist der Garten der Villa d´Este in Italien (17. Jahrhundert). Die klassischen Gärten der italienischen Renaissance mit ihren perfekten Proportionen und ihrer Symmetrie breiteten sich im folgenden Jahrhundert in ganz Europa aus. In Frankreich stattete André Le Notre, der Gärtner des Sonnenkönigs Ludwig XIV., seine erstaunlichen Gärten von Versailles und Saint-Cloud mit verschwenderischen Wasserspielen aus. Die gewaltige 90 Meter hohe Kaskade von Saint-Cloud, geschaffen von Antoine Le Pautre, blieb ebenso erhalten, wie die 24-stufige Kaskade in Chatsworth (Derbyshire), die M. Grillet, ein Schüler von Le Notre, für den Herzog von Devonshire am Ende des 17. Jahrhunderts entwarf.

Die letzten großartigen Wassergärten in Westeuropa wurden im Stil der Landschafts- und Romantischen Gärten
geschaffen. Um die idealen, künstlichen Landschaften zu erschaffen, sind viele Arbeitskräfte und noch mehr Zeit erforderlich, um die großen Seen auszuheben, die Geländeformen zu modellieren und Flüsse zu teilen. Danach kamen die «Verschönerungen», die vor allem durch die Gemälde klassischer Landschaften von Claude Lorrain und Gaspard Poussin inspiriert waren. Bootshäuser, Belvederes und Pavillons nahe am Wasser dienten entweder aus der Ferne als Blickpunkte oder wurden als Aussichspunkte aufgesucht.

Im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert wandelte sich der Geschmack: Man wollte wieder echte Natur. Raue, wilde Landschaften wie die Schottischen Highlands oder die Schweizer Alpen verloren ihren Schrecken und wurden zu Vorbildern für großartige, romantische, der Natur nachempfundene Gärten und Parks. Der Maler und Schriftsteller John Ruskin, der am Ufer des Coniston Sees in Brantwood lebte, ließ sich eine «Gondel» bauen und fuhr mit Motorkraft über den See. Inzwischen hat der National Trust die Gondel nachbauen lassen und erlaubt Besuchern, auf den Spuren des Dichters den See zu befahren.

Mit der Industriellen Revolution nahm die Bedeutung des Wassers in den Gärten ab. Wasser – einst ein Zeichen von Luxus und Verschwendung – wurde durch Dampfmaschinen und später den elektrischen Strom zu einem allgemein zugänglichen und beherrschbaren Gut. Es war keine technische Meisterleistung mehr, eine 150 Meter hohe Fontäne zu betreiben, man legte einfach einen Schalter um. Ein viktorianischer Gartenbesitzer verlangte andere Blickpunkte: komplizierte und sehr arbeitsintensive Beete mit einjährigen Sommerblumen, die im Gewächshaus angepflanzt wurden. Wasser spielte aber als Gestaltungselement im Garten nur noch eine untergeordnete Rolle.

In jüngster Zeit erleben Wassergärten jedoch eine Renaissance. Formale Wasserkaskaden, die aus den Gärten verschwunden waren, werden gezielt wieder eingesetzt. Man begriff, dass es keinen Landschaftsgarten braucht, um Wasser wirkungsvoll in Szene zu setzen. Wenn Wasser aus Urnen im italienischen Stil in einen formalen Teich fließt, passt das sehr wohl in einen Stadtgarten. Und wer träumt nicht von einem Pool oder Schwimmbecken in seinem Garten? Auch das wird von vielen modernen Designern heute in die Gartengestaltung mit eingebunden.
Mehr zum Thema Wassergärten kann in dem Buch «Wassergärten» von Leslie Geddes-Brown nachgelesen werden. Vor allem aber ist es eine faszinierende Reise durch über 30 herausragende Wassergärten auf der ganzen Welt.

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