Wie möchte ich den Garten nutzen?
Das ist wohl die wichtigste Frage bei der Gartengestaltung, denn hier entscheiden sich die Grundelemente der Planung. Spielplatz, Nutzgarten, Ruheoase oder repräsentatives Schaustück – die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Wenn zum Beispiel Kinder im Garten herumtollen, empfiehlt sich eine robustere Rasenmischung, als wenn ich einen englischen Rasen möchte. Für einen Nutzgarten muss ich genug Beetfläche in sonniger Lage einplanen, um den erwarteten Ertrag zu erzielen. Für einen privaten Rückzugsort sollte man nicht nur eine Terrasse einplanen, sondern auch kleine Sitzgelegenheiten, die im Garten verstreut sind.
Am besten misst man das Gelände genau aus und zeichnet einen maßstabsgerechten Plan, in dem auch ein eventuelles Gefälle berücksichtigt wird. Zugänge sowohl vom Haus als auch von der Straße aus sollten ebenfalls eingezeichnet werden, genauso wie bereits bestehende Pflanzen, die erhalten bleiben sollen. Jetzt kann man überlegen, welche Elemente der Garten enthalten soll und wo sie platziert werden. Zum Beispiel eine Terrasse am Haus, ein Kräuterbeet in der Nähe der Küche, ein Hausbaum neben dem Eingang oder ein Teich am Ende des Grundstücks. Danach geht es weiter zu Frage zwei.
Welche Atmosphäre möchte ich schaffen?
Mediterran, romantisch, asiatisch… Es gibt viele Stilvorbilder, die hilfreiche Anregungen geben können. Südliches Flair erhält man mit Palmen wie etwa Trachycarpus fortunei (Chinesische Hanfpalme). An einem windgeschützten Ort, am besten mit einer wärmenden Mauer im Rücken, und voller Sonne kann sie die Winter in Mitteleuropa normalerweise gut überstehen. Ein Olivenbaum darf natürlich auch nicht fehlen, muss aber im Winter ins Haus geholt werden. Wer keinen Platz zum Überwintern hat, kann zum Beispiel Elaeagnus angustifolia (Schmalblättrige Ölweide) pflanzen. Dieser Baum hat ähnliche Blätter und Früchte wie die echte Olive und ist in unseren Breitengraden absolut frosthart. Er ist sehr gut schnittverträglich und kann also ähnlich wie ein Olivenbaum gezogen werden.
Weitere Pflanzen für den mediterranen Garten sind zum Beispiel Zitrusbäumchen oder Oleander, diese müssen allerdings auch im Haus überwintern. Ein Feigenbaum ist auch immer ein besonderer Hingucker und da es inzwischen sehr gute frostharte Sorten gibt, spricht nichts gegen ein Auspflanzen auch in Regionen mit kälteren Wintern. Eine extravagante Staude ist zum Beispiel Kniphofia (Fackellilie), die in vielen Sorten im Handel angeboten wird und deren Farbspektrum von grünlich-weiß über gelb und orange bis dunkelrot reicht. Yucca filamentosa (Palmlilie) bietet mit ihren bis zu zwei Meter hohen weißen Blütenrispen ebenfalls einen spektakulären Anblick. Aber auch die Klassiker wie Lavendel oder Nepeta (Katzenminze) sollte man nicht vergessen, vielleicht ergänzt durch Phlox oder Helianthemum (Sonnenröschen). Auch hier gibt es eine große Auswahl an Sorten, die in Mitteleuropa bestens gedeihen. Abgerundet wird das Bild mit Kübeln aus Terracotta und in sonnigen Farben und schon hat man den Mittelmeerurlaub zu Hause.
Der romantische Garten besticht vor allem durch seine Natürlichkeit und Üppigkeit. Die Wege sind gewunden oder auch nur durch Trittplatten im Rasen angedeutet, hinter jeder Biegung wird der Besucher von neuen Perspektiven und Stillleben überrascht. Das Herzstück eines solchen Gartens ist meist ein Pavillon oder eine Laube, berankt mit Kletterrosen, Clematis (Waldrebe) oder Lonicera (Geißblatt). Überhaupt dürfen Rosen eigentlich in keinem romantischen Garten fehlen. Sie bieten nicht nur eine große Blütenfülle, sondern auch einen herrlichen Duft, der uns zum Träumen bringt. Geeignete Pflanzpartner sind zum Beispiel Gypsophila (Schleierkraut) mit ihren filigranen Blütenständen, Digitalis (Fingerhut) oder Campanula poscharskyana (Hängepolster-Glockenblume). Ein besonders schönes Bild ergibt sich auch, wenn man Kletterrosen in Bäume klettern lässt. Hier sollte man darauf achten, dass der Baum die Rose auch halten kann und nicht unter dem Gewicht leidet.
Generell wird man in einem romantischen Garten eher mit harmonischen Farbverläufen als mit starken Kontrasten arbeiten, aber das ist natürlich Geschmackssache. Eine stimmungsvolle Kombination erhält man beispielsweise mit Päonien, Iris, Stachys byzantina (Wollziest) und Hemerocallis (Taglilien). Anstatt eines Rasens bietet sich die Aussaat einer Blumenwiese an. Fertige Saatmischungen enthalten oft so schöne Wildstauden wie Malva moschata (Moschus-Malve), Knautia arvensis (Wiesenskabiose) und Leucanthemum (Margeriten). Neben dem Nutzen für die Tierwelt bietet eine solche Wiese auch den Vorteil, dass sie nur zweimal im Jahr gemäht werden muss.
Für den akustischen Aspekt sorgt ein Springbrunnen oder ein kleiner Bachlauf. Wer jetzt auch gleich an Seerosen denkt – Vorsicht! Sie vertragen kein Spritzwasser und keine starke Wasserbewegung und sollten deshalb in einem separaten Wasserbecken gepflanzt werden. Sie breiten sich mit der Zeit außerdem stark aus, deshalb sollte man ihnen von vorneherein genug Platz zugestehen.
Die Gestaltung eines echten asiatischen Gartens ist eine hohe Kunst, da die Symbolik eine sehr große Rolle spielt und normalerweise jede Pflanze und jeder Stein eine ganz spezielle Bedeutung haben. Den klaren, minimalistischen Ausdruck kann man aber mit relativ einfachen Mitteln erzielen.
Bei der Pflanzenauswahl dominiert die Farbe Grün, Akzente werden mit einigen wenigen Solitärgehölzen gesetzt. Mit Sagina subulata (Sternmoos) oder Azorella tri-furcata (Andenpolster) lassen sich die Moospolster nachahmen, die in China und Japan in den meisten Gärten zu sehen sind. Koniferen und Bambus bilden das Rückgrat und bestimmen die Struktur des Gartens. Die typischen Gartenbonsais sind in den meisten Baumschulen erhältlich. Wem diese zu teuer sind, der kann mit etwas Übung und Geduld selbst Hand anlegen. Hierfür eignen sich zum Beispiel Pinus contorta (Dreh-Kiefer), Ilex crenata (Japanische Stechpalme) oder Pinus sylvestris (Waldkiefer). Bambusarten und –sorten bestechen durch ihr filigranes Laub und die interessant gefärbten Halme. Bambusa multiplex «Alfons Karr» hat rosa, im Alter leuchtend gelbe Triebe mit unterschiedlich dicken grünen Streifen. Phyllostachys nigra hingegen hat schwarze Halme. Bambus sollte generell nur mit einer Rhizomsperre gepflanzt werden, da er sich sonst im ganzen Garten verteilt und natürlich auch vor den Nachbargrundstücken nicht haltmacht.
Farbakzente werden im asiatischen Garten klassischerweise mit Rhododendron, Azaleen und Zierkirschen gesetzt. Auch Acer palmatum (Fächerahorn) sollte nicht fehlen, da er durch sein filigranes Laub und die prächtige Herbstfärbung über einen langen Zeitraum hinweg Freude bereitet. Ein weiterer schöner Blütenstrauch ist Cornus kousa (Japanischer Blumen-Hartriegel), der im Frühsommer mit großen weißen Blüten besticht. Wasser spielt in asiatischen Gärten eine große Rolle, ob nun als Teich oder stilisiert als geharkte Kiesfläche. Oft befindet sich in der Mitte der Wasserfläche eine kleine Insel oder ein Teehaus, das über Trittsteine erreicht werden kann.
Wie viel Zeit kann und möchte ich in die Pflege investieren?
Für viele Menschen gibt es nichts Schöneres, als den ganzen Tag im Garten zu werkeln. Andere wiederum möchten einfach nur in der Sonne sitzen und überlassen die Arbeit lieber der Natur. Für beide gibt es den passenden Garten und die richtigen Pflanzen.
Im pflegeaufwändigen Ziergarten können beispielsweise Formgehölze aus Buchs oder Eibe stehen, es gibt üppige Staudenbeete, Rosen und wechselnde Bepflanzungen mit Ein- und Zweijährigen, die jedes Jahr ein anderes Gartenbild schaffen. Für den «faulen Garten» empfehlen sich pflegeleichte Stauden wie Geranium (Storchenschnabel) oder Alchemilla (Frauenmantel), die nicht nur schön aussehen, sondern durch ihren dichten Wuchs auch das Aufkommen von Unkraut verhindern. In einem solchen Garten werden aber vor allem Gehölze dominieren, die eher langsam wachsen und keinen Schnitt benötigen. Hier bieten sich zum Beispiel Hamamelis (Zaubernuss) an, Magnolien oder Acer (Ahorn).
Generell kann man sagen: Je wohler eine Pflanze sich fühlt, desto weniger Pflege braucht sie. Für den pflegeleichten Garten sollte man also besonders viel Augenmerk auf die Standortbedingungen legen und die Bepflanzungen dementsprechend auswählen. So muss man wesentlich weniger wässern und düngen und kann sich trotzdem an einer üppigen Pflanzenpracht erfreuen.
Ob also eifriger Unkrautzupfer oder entspannter Gartenfaulpelz – es gibt für jeden eine Möglichkeit, sich seine eigene kleine Oase zu schaffen und sie in vollen Zügen zu genießen, sei es auf den Knien beim Unkrautjäten oder von der Hängematte aus.
Catherina Ruffing
Gräfin Bernadotte af Wisborg





